Garantie- und Serviceleistungen ausgesetzt – E-Roller-Hersteller Govecs insolvent. |
Der E-Roller-Hersteller Govecs hat Insolvenz angemeldet. Damit ist auch für die eSchwalbe erstmal Schluss.
Mit Cake und Energica waren bereits im letzten Jahr zwei Hersteller von elektrisch angetriebenen Zweirädern in die Insolvenz geschlittert. Nun hat es den Münchner E-Roller-Hersteller Govecs AG erwischt: Am 24. November 2025 hat das Unternehmen beim zuständigen Amtsgericht offiziell Insolvenz beantragt.
eSchwalbe sollte den Turn-around bringen
Govecs stellt neben verschiedenen Rollermodellen auch ein Remake der DDR-Ikone Schwalbe her – allerdings nicht mit Zweitaktmotor, sondern mit batterieelektrischem Antriebsstrang. Nachdem sich das für Govecs lukrative Geschäft mit Sharing-Flotten in Großstädten nach der Corona-Pandemie nie wieder richtig erholt hatte, setzte das Unternehmen gerade auf dieses Retro-Modell große Hoffnungen. Allerdings war die eSchwalbe preislich recht hoch platziert, für die 45-km/h-Kleinkraftversion wurden 7.990 Euro aufgerufen. Das L3e-Topmodell mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h kostete knapp 10.000 Euro. Offenbar zu viel in einem ohnehin rückläufigen Markt für E-Scooter.
Wichtige Kennzahlen verfehlt
Von Absatz über Umsatz bis Ergebnis lagen sämtliche Kennziffern von Govecs bereits seit einiger Zeit deutlich unter dem Soll. So weist der Jahresabschluss 2022 einen Verlust von 12,5 Mio. Euro bei einem Umsatz von 7,6 Mio. Euro aus. Auch der für 2025 prognostizierte Umsatz von 21 Mio. Euro wurde offenbar deutlich verfehlt. Nun zog die Unternehmensleitung die Konsequenz und meldet Insolvenz an.
Insolvenzverwalter prüft Restrukturierung
Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Michael Jaffé bestellt, der die Finanzen überwacht und prüfen soll, ob eine Sanierung, ein Verkauf oder eine geordnete Abwicklung realisiert werden kann.
Auch Fertigung in Polen betroffen
In Deutschland beschäftigte Govecs zuletzt acht Mitarbeiter (Verwaltung am Stammsitz München). Die Produktion und Entwicklung liefen über die Tochtergesellschaft Govecs Poland Sp. z o.o. in Polen — dort sind rund 35 Beschäftigte tätig. Auch für dieses Werk wurde ein Restrukturierungsverfahren nach polnischem Recht eingeleitet, mit dem Ziel, die Produktionsstrukturen möglichst verkaufsfähig zu erhalten.
Derzeit keine Garantie- und Serviceleistungen
Mit dem Insolvenzantrag hat Govecs eigenen Angaben zufolge auch den Garantie- und Gewährleistungsservice ausgesetzt. Weder der Hersteller selbst noch externe Servicepartner können derzeit Garantieleistungen zusichern. Ein flächendeckender Service in Deutschland ist demnach nicht mehr gegeben — nur in der Berliner Servicestelle sollen derzeit noch kostenpflichtige Reparaturleistungen durchgeführt werden. Ersatzteile können nach Angaben des Unternehmens per E-Mail angefragt werden; das Onlineshop-System wurde jedoch deaktiviert. Für Besitzer einer eSchwalbe bedeutet dies erhebliche Unsicherheit bezüglich Wartung und langfristiger Nutzbarkeit.
Mögliche Szenarien
In den nächsten Wochen und Monaten kommt es darauf an, ob ein Investor gefunden wird, der Produktion und Service übernimmt — oder ob das Geschäft endgültig eingestellt wird. Sollte kein Käufer gefunden werden, drohen Ersatzteil- und Serviceengpässe sowie eine nachhaltige Entwertung der bereits ausgelieferten Fahrzeuge.
- Quelle Text und Bild: Tourenfahrer.de
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